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    Ungewöhnliches Dankschreiben

    Enkel eines Zeitzeugen und Tagebuchautors meldet sich per E-Mail

    Der Protest gegen den Aufmarsch von Neonazis Anfang März in Dessau-Roßlau fand in diesem Jahr zum wiederholten Male statt, und wie in den Vorjahren war das Motto „Lieber bunt statt braun“ eines der Leitmotive des demokratischen Bürgerprotestes. Vielbeachtet war das diesjährige Geschehen aber nicht nur im eigenen Lande – auf unbekannten Wegen erlangte man auch in Übersee Kenntnis davon.

    Überraschend erhielt Oberbürgermeister Klemens Koschig, einer der Redner am vergangenen Samstag auf der Bühne vor dem Hauptbahnhof, eine E-Mail aus den USA, Absender: Dr. Robert Scott Kellner. Dieser dankt darin für die gefundenen Worte, mit denen das Stadtoberhaupt dem rechten Mob Einhalt gebot. Was bis hier sich noch als blanker Zufall lesen lässt, wird jedoch umso bedeutsamer, wenn man den Autor der Zeilen kennt. Robert Scott Kellner ist der Enkel von Friedrich Kellner, dessen Tagebücher von 1939 bis 1945 in zwei Bänden unter dem Titel „Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne“ veröffentlicht sind (Wallstein Verlag). Aus diesen hatte Koschig zitiert und durfte nun den Dank des Enkels entgegennehmen: Er habe die Stimme seines Großvaters in den Kampf gegen diese „Schakale“ eingebracht, was seinem Großvater ungemein stolz machen würde. Robert Scott Kellner ist einer der Mit-Herausgeber der Tagebücher seines Großvaters. Diese werden in einer Besprechung der „Süddeutschen Zeitung" den berühmten Tagebüchern „LTI“ von Victor Klemperer als durchaus ebenbürtig anerkannt.
     


    Meldung vom 13.03.2012

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